Die Schulter

Mechanik des Schultergelenks und die daraus resultierenden...

Bewegung der Schulter entsteht durch eine Kombination von Bewegung im Gelenk zwischen Oberarmkopf und Schulterpfanne und eine Verschiebung des Schulterblattes auf den Brustkorb.

Befindet sich der Arm unterhalb einer Spreizstellung von 30 Grad, kommt die Bewegung fast ausschließlich aus dem Oberarmkopf/Schulterpfannengelenk. Oberhalb dieser Stellung addiert sich zur Bewegung im Oberarm/Schulterpfannengelenk die Bewegung des Schulterblattes auf dem Brustkorb etwa im Verhältnis 2:1. Hiermit verbunden sind Bewegungen im Gelenk zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein als auch im Gelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein.

In der Gebrauchsstellung des Armes werden die Hände im Gesichtsfeld vor dem Körper gehalten. Da das Gewicht des Armes etwa 1/20 des Körpergewichts beträgt, kommt es in dieser Stellung zu erheblicher Krafteinwirkung auf den Oberarmkopf. Bei Anheben des Armes entsteht eine Kraftkomponente, die den Oberarmkopf höher treten lässt. Dieser Kraft wirkt eine Gegenkraft entgegen, die durch die Rotatorenmanschette und die lange Bizepssehne entsteht und verhindert, dass der Oberarmkopf gegen das knöcherne Schulterdach stößt. Die Aufgabe der Rotatorenmanschette und der langen Bizepssehne ist es also, den Oberarmkopf in der Schultergelenkspfanne zu zentrieren.

...mögliche Schädigungen
Störungen im oben beschriebenen relativ empfindlichen Mechanismus sind häufig. Sie kommen insbesondere bei Menschen vor, die viel mit erhobenen Armen tätig sind oder Überkopfsportarten ausüben und so die Muskelbalance im Schultergelenk überfordern.
Es kommt zu einer schmerzhaften Funktionsstörung der Muskeln der Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf nicht mehr ausreichend in der Pfanne stabilisieren können. Das Anschlagen des Oberarmkopfes an der Schulterhöhe wird im Englischen als „Impingement“ bezeichnet. Die gegen die Schulterhöhe gerichtete Kraft kann dabei fast die Hälfte des Körpergewichtes erreichen. Solange das Impingement auf einer Störung der Funktion ohne strukturelle Schäden beruht, spricht man von einem sog. funktionellen Impingement.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden die Anteile der Rotatorenmanschette, insbesondere die Sehne des Supraspinatusmuskels und die lange Bizepssehne strukturell geschädigt. Die fortschreitende Schädigung äußert sich zunächst in einer entzündlichen Schwellung. Später kann es zu bleibenden Sehneneinrissen, alternativ auch zu Kalkeinlagerungen in das Sehnengewebe kommen. Da im Gleitraum unter dem Schulterdach (sog. Subacromialraum) kaum Reservevolumen zur Verfügung steht, treten dann Gewebsquetschungen und schmerzhafte Klemmphänomene auf. Oft ist der Schulterpatient nur mit Ausweichbewegungen in der Lage, den Arm hoch zu heben, indem er z.B. einen Kalkherd durch Drehung des Oberarmkopfes am knöchernen Schulterdach vorbei führt.

In diesem Stadium reagiert der Knochen an der Unterseite der Schulterhöhe auf die vermehrte Druckbelastung mit knöchernen Veränderungen im Sinne einer Abstützreaktion ähnlich einer Arthrose an einem gewichtstragenden Gelenk. Hierdurch kommt es zu knöchernen Ausziehungen an der vorderen und seitlichen Kante der Schulterhöhe. Solche scharfkantigen Sporne können weiter zur Schädigung der Rotatorenmanschette beitragen.
 

Beispiele:


Riss der Supraspinatus-Sehne


Rotatorenriss


"Bankart-Verletzung" nach Schulterluxation (OP-Indikation!)

Liegen derartige strukturelle Veränderungen vor, spricht man von einem strukturellen Impingement. In der Folge entwickeln sich meist zwanghaft im Sinne eines sog. Circulus vitiosus (Teufelskreis) Teileinrisse an der Sehnenoberfläche oder -unterfläche. Hieraus entstehen z.B. im Rahmen von Bagatellverletzungen komplette Sehnenrisse, die dazu führen, dass der Oberarmkopf noch schlechter in der Schulterpfanne zentriert werden kann und sich nach oben verschiebt. Im Röntgenbild imponiert der sog. Oberarmkopfhochstand.

Lesen Sie dazu den Aufklärungsbogen Schulterarthroskopie und Endoskopie des Schleimbeutels.